acryl vs. the world

bemerkenswerter weise taucht in meinem leben seit locker zehn jahren immer wieder eine wirklich existenzielle frage auf:
Warum gibt es so gut wie keine skinhead-hipster v-necks mehr, die aus acryl sind?
viele jammern ja rum, sie könnten solche kleidungstücke nicht anziehen. doch ich neige nicht übermäßig zum schwitzen und noch weniger zur zersetzungsbedingten geruchsbildung. perfekte ausgangsvorraussetzung zum tragen dieses materials also. und ich werd ja wohl nicht der einzige sein, oder? und abgesehen vom hygienemangel der ganzen soziopathen deren klamotten dermaßen nach altem schweiss stinken daß man ansatzlos kotzen möchte, gibt es doch auch die möglichkeit diese kleidungsstücke ausreichend heimmaschinell reinigen zu lassen.
meinen ersten acryl-fred perry v-neck habe ich mir ca. 2000 erworben. hätte ich ihn nicht letztes jahr irgendwo liegenlassen, wir wären heute noch ein traumpaar. ein paar jahre später staubte ich noch zwei weitere ab. und dann kam die große erwerbsleere. aus verzweifelung kaufte ich mir mal einen rautenverzierten ben sherman v-neck, bei mellory in laiptsch. aus reiner baumwolle. ich habe ihn einmal nach anleitung in der maschine gewaschen. als belohnung war er fast doppelt so groß danach. somit mal eben flockige 90 € für nix ausgegeben. falls jetzt jemand mit ach so hochwertigen stoffen wie wolle, cashmere und sonem mist kommen will: da traue ich mich erst recht nicht ran, denn zur handwäsche bin ich zu faul und für den reglmäßigen gang zur reinigung zu arm. welch ein dilemma.
trete ich nun mit tränen ob der gemeinsamen erinnerungen an die verbleibenen zwei acryloldtimer in meinem schrank, wünsche ich mir von ganzem herzen, endlich wieder ein riesen haufen geld für billigstes fred perry plastik zu blechen und dafür mindestens eine decade voller glück verleben zu dürfen!

winterskins!

es wird winter. schon bald. dann werde ich endlich wieder meinen endschicken parka regelmäßig tragen. polierte martens statt turnschuhe. und die geliebte sheepskin statt harringtons.
du winter, ick freu mir.

no need for scissors

verehrte damen, werte herren,

mit steigendem interesse habe ich den letzten monaten verfolgt, daß die in den letzten jahren von mir durchaus wertgeschätzte band loikämie nach langer pause wieder regelmäßig auftreten will und tritt.

aber huch, was ist denn das für ein aktuelles bandphoto??

der sänger trägt trotz erheblichem mangel an deckhaar ne amtliche glatzenbordüre, gepaart mit schlabberjeans und holzfällerhemd. der schlagzeuger einen knapp anner tolle vorbeischrammenden supermanscheitel und der studentische neuzugang glänzt im besten hardcoreschluffioutfit.
nur der vierte sieht gewohnt dürftig aus wie immer, da möchte ich gar nicht kritteln.
ich bin nu wirklich nicht die szene- und skinheadbibelbepo und setze bekanntermaßen auf „unsere“ szene nen riesen haufen.
aber wo bitte bleibt die würde im alter? der wenigstens bemühte anschein von authenzität im direkten kontext der vertretenen inhalte?
weshalb machen sie einfach weiter, statt neu anzufangen (das von mir aus auch gern weiterhin unter gleichem namen)?
das will ich nicht verstehen.
ich mein, wer bitteschön möchte sich heute z.b. ernsthaft was von joschka fischer über die straßenschlachten der 60iger von der bühne vorpunken lassen müssen? da reichen einem doch schon trottel wie die toten hosen, deren neues album sich selbst mein erzeuger gekauft hat, oder?

von oi im allgemeinen und deutschsprachigen im speziellen kann man halten was man will, aber loikämie haben nach bescheidenen anfängen sich immer offensiver positioniert und sich sogar textlich deutlich von unterirdisch zu aushaltbar, mit einzelnen tendenzen zu sehr angehm weiterentwickelt und musikalisch mein rumpelbedarf gehörig beglückt.
damit ist sie eine von sehr sehr wenigen überhaupt gewesen.
deshalb frisst mich ihre neue alterserscheinung so an.

dennoch möchte ich die band nicht mit schimpf und schande aus meinem herzen jagen, denn was mich noch viel mehr anfickt, ist die tatsache, daß immer nur das ganze scheisspack die boots/sambas nicht an den nagel hängt.
strunzdummpeinliche arschmaden wie stomper 98 stilisieren sich weiter und weiter zu helden die die welt nicht braucht und hören einfach nich auf.
ja, mir ist schon klar, daß die ausser ihrem indentitätskonstrukt „überskinhead“ nüschte haben, das die unendliche leere in ihren köpfen und leben ausfüllen könnte.
dennoch würde ich ohne zu zögern für ein paar mehr leute in denem man noch das individuum entdecken kann und die auch jenseits der 26 jahre immer noch bock auf coolen scheiss haben, alle stampfer der welt an die wand stellen lasssen.

ich weiß ich wiederhole mich, aber nochmal ganz deutlich:
in meinem bereits fortgeschrittenen alter liebe ich noch immer meine kurzen haare, meine englischen klamotten, meinen kritischen geist, wenige aber echte glatzenfreundschaften und geniesse die affinität zu guter jamaikanischer musik und gerumpel mit erträglichen inhalt.
im gegensatz zu früher ist dies keine postpubertäre, kleinbürgerliche „rebellion“ mehr, sondern in den alltag eingeflossene selbstverständlichkeit.
in den jahren sind so viele nette, individuelle leute voller ekel „ausgestiegen“, bands sang und klanglos verschwunden, oder rübergewandert in sebis schweinekuhle.
loikämie aber blieben dabei.
letztendlich ganze 18 jahre.
und das auf symphatische weise.
und jetzt auf einmal isses vorbei? aber auch nich so ganz, weil man ja noch in erinnerung schwelgen kann, wenn man lieder von früher zum besten gibt?
mensch jungs, macht doch keinen scheiss.

p.s.:
an die unter euch, die langsam ebenfalls anfangen darüber nachzudenken ob es jetzt nicht mal an der zeit dafür wäre aus dem skinhead einen mittelkurzhaarigen reggaehörer werden zu lassen, oder aus dem adretten skingirl ne betty boo,
möchte ich mein schlusswort richten:

nö, isses nich.

deutschland abschaffen. oi.

zwei gute freunde froinde, nennen wir sie iri und fred, reisen mit mir aus berlin zurück gen wohnsitz. der zug ist überfüllt, wir müssen auf dem plateau unter einer wagontreppe platznehmen.
an der zonengrenze steigt ein arischer krieger ein. nassrasur, bomber, landser pullover..äh..langarmiges oberkörperbedeckungsutensil, ranger.
wir, friedfertige postsuffzeckenskins, ernten böse deutsche blicke von oben.
kurz vorm reiseendziel muss thor dann doch mal pipi und rasselt an uns vorbei.
iri erfasst mit seinem messerscharfen verstand innerhalb einer sekunde, daß erik nen fred perry button trägt und schreit ihm in allerbester stadionqualität hinterher: EY! FRED PERRY WAR NEN JUDE! N.E.N. J.U.D.E.!

wir zwei restlichen, hin und hergerissen zwischen aussenwirkung und diss, lachen uns halb tot.
steinars kleinar kommt sichtlich weniger aggro vom klo zurück und wendet sich dem bisher völlig unerwähnten kapitel zu:
dem berg valkyria.
wer nen respektables übergewicht mit sich rumträgt, wie der hiesige, viel geliebte autor, der kann mit fug und falte behaupten:
valkyria hatte ne eigene umlaufbahn.
also zurück zu germania:
kurzes tuscheln beiderseits, choreografierter böser blick und zack, endhaltestelle.
er pumpt den lat. auf, sie geht vor..
…und rutscht herrlich von der obersten stufe ab, reitet auf dem arschgebirge die komplette treppe hinab und bleibt herrenmenschenhaft-hilflos liegen.
unsere hände wollten sich einfach partout nicht helfend strecken, doch odin war am start.
stukaartig stürzt der asi die treppe hinab und hilft dem berg absolut würdelos wieder auf die stampfer.
vor unfassbarer belustigung paralysiert, standen wir mit geöffneten klappen da und waren schwer am verarbeiten.
(denn auch mir sozialfuzzi wurde klar, daß sie sich nicht ernsthaft verletzt hatte)
kurz darauf brachen die dämme und alles was an prustendem, luftschnappenden gejohle und lustvollem, tränenersticktem gestammel aus uns wich, war tausendmal treffender als jegliche aktion.
antideutsche hurensöhne: 1
odins krieger: 0

u made my day, germaney ;-)

kugeschi II

es ist winter, sonntag und ich mach mich ausgehfein.
polierte martens, gekürzte hose, schickes britac, v-neck pullover und meine soeben frisch erworbene, hammermäßige sheepskin.
in der fuzo (<-geil wa?) treffe ich eine ehemalige mitstudentin, die ich mehrere jahre nicht mehr gesehen habe.
nach der freudigen begrüßung und ausgiebigem smalltalk kommentiert sie durchaus wohlmeinend meinen seit jahren gleichbleibenden „style“ mit dem satz:
„du solltest dir aber auf jeden fall ne bomberjacke kaufen und nicht mit so ner opajacke rumlaufen..“